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| Jakob Lange (Fotos: Instagram, canofotosportscom) |
Flintsbach am Inn - Fünf Medaillen bei Juniorenweltmeisterschaften zwischen 2013 und 2015 (davon einmal Gold), den ersten Weltcupeinsatz mit 17 Jahren 2013 in Almaty, bisher einzigartige Erfolge im Continental-Cup mit drei Gesamtsiegen (2020, 2022, 2025), insgesamt 26 Einzelsiegen und 46 Podestplatzierungen, 90 Einsätze im Weltcup inklusive zweier Podestplätze (Vierter im Einzelrennen 2017 in Sapporo und Dritter im Team beim Weltcup 2022 in Val die Fiemme) – Jakob Lange (Jahrgang 1995, WSV Kiefersfelden) kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere in der Nordischen Kombination zurückblicken. Jetzt beendet der in Flintsbach am Inn lebende 30jährige seine aktive Laufbahn als Nordischer Kombinierer und konzentriert sich auf seine Karriere als Marathonläufer, wo er für den PTSV Rosenheim an den Start geht.
Marathon in Sevilla in 2.16,40 Stunden
Während seine DSV-Teamkollegen bei den olympischen Winterspielen gerade ein sportliches Desaster erleben und erstmals seit vielen Jahren ohne eine Medaille in der Nordischen Kombination bleiben, läuft Jakob Lange beim mit zahlreichen Weltelite-Startern besetzten Marathon in Sevilla als bester deutscher Teilnehmer mit 2:16,40 Std. neue persönliche Bestzeit. „Es tut mir unendlich leid für die Jungs, mit denen ich ja zum Teil eng befreundet bin“, sagt Jakob Lange, der derzeit nach wie vor noch jede freie Minute auf Langlaufski im Schnee verbringt. Mit der Entscheidung, die Nordische Kombination jetzt endgültig hinter sich zu lassen, ist er aber vollkommen im Reinen. „Ich habe die besten Zeiten der Nordischen Kombination miterlebt, habe unglaublich viele, wertvolle positive wie auch negative Erfahrungen gemacht und bin sehr dankbar dafür. Und ich denke, ich kann auch stolz sein auf das, was ich erreicht habe, auch wenn ich immer wieder durch Verletzungen oder Krankheit im falschen Augenblick ausgebremst wurde und mich auch mit einigen Enttäuschungen auseinandersetzen musste“, sagt Lange, der schon in jungen Jahren als Ausnahmetalent galt und im Juniorenbereich oft mit dem späteren norwegischen Superstar Jan-Magnus Riiber um den Sieg kämpfte. Dann eine schwere Knieverletzung beim Springen in Seefeld 2016, eine langwierige Stoffwechselerkrankung im Winter 2017/2018 und später, als er 2023 gerade wieder richtig im Weltcup angekommen war, eine schwere Sprunggelenksverletzung beim Sprunglehrgang in Zakopane, doch Aufgeben war nie eine Option für den ruhigen, aber ehrgeizigen Sportler aus dem oberbayerischen Inntal. Auch nicht, als zu den Verletzungen auch oft noch die Unterstützung von Verbandsseite fehlte und die Entwicklung in der Nordischen Kombination, wo das Springen immer mehr an Bedeutung gewann, ihm als laufstarken Athleten nicht entgegenkam.
Im April 2025 wurde Jakob Lange dann nicht mehr für einen DSV-Kader nominiert. Er habe keine sportliche Perspektive, sei zu alt und auch zu schwer, so die Begründung des DSV gegenüber Lange. „Für mich als amtierenden und dreifachen Continental-Cup-Gesamtsieger kam das doch sehr überraschend, zumal beim Zoll, bei dem ich bis dato weiter unter Vertrag war, meine sportlichen Leistungen durchaus noch als förderungswürdig angesehen wurden.“ Und zumal er kaderlos bei den Deutschen Meisterschaften im Herbst 2025 zusammen mit Vinzenz Geiger (SC Oberstdorf) im Teamsprint dann ausgezeichneter Dritter wurde. Der nochmalige Kampf zurück in Eigeninitiative, ohne konkurrenzfähiges Material und ohne Verbandsunterstützung war dann aber auch für Jakob Lange keine wirkliche Option mehr. Auch, weil sich für ihn neue berufliche wie sportliche Perspektiven ergeben haben.
Sportlich und beruflich neue Wege
Er hat sein Masterstudium in Wirtschaftspsychologie abgeschlossen, fängt in Kürze bei einem Hersteller für Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel im Produktmanagement für Sporternährung an und erhielt dort gleichzeitig einen Vertrag als Athlet. „Mir hat Laufen auch als Kombinierer im Sommertraining schon immer mehr Spaß gemacht als Skirollern und ich hatte bei den Laufwettkämpfen schon von Anfang an gute Erfolge.“ Sein sportliches Ziel: „Ich bin schon realistisch und weiß, dass die Spitze noch einige Minuten weg ist. Aber ich will meine persönliche Bestzeit im Marathon bis zum Berlin-Marathon 2026 nochmal verbessern und mich gerne unter den besten 15 Marathonläufern in Deutschland etablieren“, sagt Lange, der sich treu bleibt und auch im Laufsport einen selbstbestimmten, eigenen Weg gehen will.
Text: Petra Rapp
