Donnerstag, 16. Oktober 2014

Auftakt im Weiß - Gletscherskigebiete locken mit vielen Events und Neuerungen in den Schnee

Foto: Tirol Werbung/Christoph Schoech
Es juckt Sie schon gewaltig in den Beinen? Kein Wunder, nachdem der letzte Winter hierzulande seinem Namen alles andere als Ehre gemacht hat. Ski- und Snowboardfans, die deshalb nicht länger auf den Brettlspaß warten wollen, finden auf den nahen Gletschern gute Bedingungen und jede Menge Veranstaltungen zum Saisonstart.

Unsere Redaktion sagt Ihnen, wo was geboten ist.




Kaunertal (1.273 bis 3.108 Meter): Neuer Skitunnel 
Die Kaunertaler Gletscherbahnen haben einen neuen Skitunnel angelegt. Dieser neue „Wiesejaggl-Tunnel“ ermöglicht geübteren Skifahrern nun, auf der schwarzen Piste Nr. 6 von der Bergstation der Karlesjochbahn auf 3.108 Metern bis hinunter zur Talstation der Ochsenalmbahn auf 2.150 Meter durchzufahren. Als nächstes Event wartet im Gletscherherbst die „Goodboards + Goodski Tour“ vom 15. bis 16. November. www.kaunertal.com

Foto:Tirol Werbung/Daniel Zangerl

Pitztal (1.640 bis 3.440 Meter): Freeride-Camps
Nirgendwo sonst in Österreich kommt man mit einer Bahn höher als hier. Von der Panoramaterrasse des „Café 3.440“ blickt man auf die 3.774 Meter hohe Wildspitze und mehr als 50 weitere Dreitausender. Beim Gletscherfest am 18. und 19. Oktober - mit Skitests auf einer Riesenslalomstrecke, Snowboardtests, Schnupperkursen für Ski Cross Einsteiger, Freerider Sicherheits-Workshops, Barbecue u.a. - wird der Wintereinstieg gefeiert. Die „Goodboards + Goodski Tour“ macht am 29. und 30. November und am 6. und 7. Dezember hier Halt. In neuen Freeride- und Free-Touring Camps lernen Tiefschneefreaks ab dem 23. Januar 2015 die besten und sichersten Abfahrten am Pitztaler Gletscher kennen. Video-Workshops, Abfahrten mit Freeride-Pro Felix Wiemers und Fahrtechnik-Tipps für winterliche Straßen ergänzen das Programm der Camps. www.pitztal.com

Sölden (1.350 bis 3.340 Meter): Neuer Adrenalincup
Vom 24. bis 26. Oktober startet der FIS Skiweltcup in Sölden in seine Saison. Das Winterskigebiet eröffnet zum 14. November. Weiter geht es mit dem Electric Mountain Festival Opening am Giggijoch am 22. November mit Auftritten von Top-DJs. Neu: der Adrenalincup, bei dem jeder mitmachen kann. Den Adrenalin-Pass dazu gibt es an den Kassen zu kaufen. Es warten zehn Disziplinen von Riesenslalom, Slalom, Speedstrecke und Freeriden über Buckelpiste, Carving und Skiflug bis zur BIG3 Fotosafari, Winterwandern und Mix Race. Wer möchte, kann die Disziplinen mehrfach absolvieren. Alles wird elektronisch gemessen und ausgewertet. Eine neue Bahn gibt es auch: der Wasserkar-Lift wird durch eine 6-er Sesselbahn ersetzt. www.soelden.com


Stubai (1.000 bis 3.210 Meter): Neue Eisgrotte 

Foto:Tirol Werbung/A. Schönherr
Auf knapp 3.000 Metern, nahe der Bergstation Eisgrat, wurde in Zusammenarbeit mit Glaziologen der Universität Innsbruck 30 Meter unterhalb der Skipiste eine neue Eishöhle angelegt, in der man nun alles über die Entstehung der Gletscher lernen kann. Die Snowboarder starten vom 17. bis 19. Oktober mit der Moreboards Stubai Premiere in die Snowpark-Saison. Weiter geht es dann mit dem SportScheck Gletscher Testival vom 6. bis 9. November und dem SAAC Camp am 15. und 16. November. www.gletscherbahn.at

Hintertuxer Gletscher (1.500 bis 3.250 Meter): Mehr Komfort 
Der 4er-Sessellift Tuxerjoch hat jetzt eine Sitzheizung installiert. Außerdem wurde der Weg von der Sommerbergalm zu den Liften am Tuxer Joch geebnet und eine überdachte Rolltreppe führt zum Einstieg der Lifte im Winterskigebiet. Im Oktober finden noch das Youngblood Camp (18. und 19. 10.) und die Välley Rälley (22. und 23. 10.). Am 22. und 23. November ist die „Goodboards + Goodski Tour“ auf dem Hintertuxer Gletscher zu Gast und vom 27. bis 30. November das FIS Skiweltcup Opening der Telemarker. www.hintertux.at

Foto: Kitzsteinhorn.at

Kitzsteinhorn (2.000 bis 3.029 Meter): Skitourengeher willkommen
Zum Start am Kitzsteinhorn wartet am 25. und 26. Oktober das Kitzsteinhorn Season Blast im Snowpark. Der große Saisonauftakt erfolgt gleich darauf vom 7. bis zum 9. November mit der Premiere des WOW Glacier Love Festivals. Viel Musik, heiße Events und spektakuläre Contests im Schnee stehen auf dem Programm. Skitourengeher sind am Kitzsteinhorn ebenso schon im Herbst willkommen: Ihnen stehen mit der „Schneekönigin“ und dem „Eisbrecher“ zwei Routen zur Wahl. Ab Januar lockt das extravagante ICE CAMP. Weitere hochkarätige Veranstaltungen folgen, darunter der Tourenskiwettbewerb „Kitzsteinhorn Schneekönig“ und der X OVER Ride Freeride World Qualifier***. www.kitzsteinhorn.at

Zugspitze (2000 bis 2700 Meter): Erweiterter Rodelspaß
Ab dem 29. November 2014 soll es – so Frau Holle mitspielt - auf der Zugspitze richtig losgehen. 20 Pistenkilometer und neun Liftanlagen warten auf dem Zugspitzplatt. Auf Deutschlands höchstgelegenem Gletscher können Winterfans aber auch Rodelspaß genießen. Dank der deutlichen Erweiterung des bisherigen Rodelangebots und bequemer Aufstiegshilfe durch zwei Sesselbahnen sind dem Spaß keine Grenzen gesetzt: Auf dem Rodelhang Schneefernerkopf, auf der Rodelbahn Sonnenkar hinunter ins Weiße Tal sowie auf der Rodelbahn Wetterwandeck macht man Höhenmeter ganz flott im Sitzen. www.zugspitze.de
Petra Rapp

Samstag, 11. Oktober 2014

100 Jahre - Der Bayerische Skiverband feiert

Klaus Rambach, Miriam Vogt, Foto Datzer
100 Jahre Bayerischer Skiverband, wahrlich ein Grund zum Feiern! Das tat der BSV auch sehr ausgiebig und in großem Rahmen am 10. Oktober in den Münchner Eisbachstudios. Über 700 Gäste waren geladen. Prominenz aus Politik und Sport, darunter auch viele Skilegenden, amtierende Weltmeister, hoffnungsvolle Nachwuchstalente, zahlreiche Vertreter des Deutschen Skiverbandes, das komplette BSV-Verbandsteam samt Mitarbeitern, wie auch viele Ehrenamtliche, die in den 1300 Vereinen mit ihren insgesamt 278 000 Mitgliedern für die gesunde Basis des Bayerischen Skiverbandes sorgen.

Eine schöne Feier mit Rückblicken, Ausblicken, musikalischen und sportlichen Einlagen sowie Danksagungen. Von Tobias Barnerssoi und Axel Müller sehr kurzweilig und souverän moderiert, von Klaus Rambach und Wolfgang Weißmüller wie dem gesamten BSV-Team bestens organisiert. Das große Herz, das bei allen für den Skisport schlägt, war deutlich zu spüren. Auch, dass es Miriam Vogt, die ihr Amt als Präsidentin des BSV in der gestrigen Verbandssitzung an den bisherigen Vizepräsidenten Manfred Baldauf übergeben hat, nicht ganz leicht fällt, „ihre BSV-Familie“ zu verlassen. Sie hat in den vergangenen 12 Jahren (neun davon als Vorsitzende) hervorragende Arbeit geleistet und laut Baldauf „den BSV zu dem gemacht, was er heute ist: ein Verband mit gesunden Strukturen, dessen Team zusammenhält und im Nachwuchsbereich die Nummer eins ist“.  Miriam Vogt dazu: „Mein Anliegen war es, den Kindern Wintersport als gesunde Lebensschule zu vermitteln und dafür die Strukturen zu schaffen. Athletenbindung ist sehr wichtig, ich denke, da müssen wir noch mehr tun. Der BSV soll ein Stück Heimat werden für alle. Deshalb haben wir uns auch für diesen großen Rahmen der Feier entschieden, wo einmal alle zusammenkommen können und der Begriff ‚Skifamilie‘ auch Realität werden kann.“ Miriam Vogt wurde im Anschluss zur BSV-Ehrenpräsidentin ernannt.

Miriam Vogt, Manfred Baldauf, Thomas Huber, Tobias Barnerssoi, Axel Müller (v.l.), Fotos Petra Rapp

Dem neuen BSV-Vorsitzenden Manfred Baldauf schwebt vor, den  „BSV zum FC Bayern des Wintersports“ zu machen, einen Verband auf Weltniveau mit gesunder, finanzieller Basis und sportlich auf höchstem Niveau. Dass dafür neben zahlreichen Sponsoren auch die Unterstützung der Politik notwendig ist, ist Voraussetzung. Marcel Huber, Leiter der Staatskanzlei, hat ein Herz für den Wintersport. Er schätzt das weltweit hohe Ansehen der bayerischen Wintersportler sehr. „Der bayerische Wintersport ist und bleibt eine Weltmarke“. Deshalb will er beim dafür zuständigen Innenministerium „ein gutes Wort einlegen“, was er in tiefstem, oberbayerischem Dialekt am Freitagabend betonte.


Sehr emotional und gespickt mit zahlreichen Anekdoten waren die sportlichen Rückblicke und Athleteninterviews. Heidi Biebl (Jg. 1941), 1960 in Squaw Valley mit 19 Jahren jüngste und erste deutsche Olympiasiegerin im Abfahrtslauf, erzählt, dass sie auch lieber so einen schönen Audi gehabt hätte, wie ihn die Athleten heute für einen Sieg bekommen. Sie musste sich damals mit einem „Kälble“ und einer Uhr, die sie in die Bezahlung des Führerscheins eintauschte, zufrieden geben. Trainerlegende Heinz Mohr, laut Tobi Barnerssoi ein wahrer Kaiserschmarrn-Fetischist, plaudert mit den erfolgreichen Epple-Schwestern Irene und Mariele über die erfolgreichen alpinen Damenjahre der 80er: „Aber gschunden hast uns scho!“, so Irene. „Hat’s eich etwa gschott?“, so Heinz Mohr. Sieht nicht so aus, wenn man die beiden Epple-„Feelas“, wie sie genannt wurden („Mädchen“ im Allgäuer Dialekt), heute so sieht.



„Hans-Jörg Tauscher wäre auch ein sehr guter Kabarettist geworden“, meint Axel Müller. Er hat sich aber für’s Skifahren entschieden und das war gut so. In der berühmten Rattlesnake in Beaver Creek/Vail wurde er 1989 in Colorado völlig überraschend Abfahrtsweltmeister, als einziger Deutscher bisher. Wie ihm das damals gelang? „Es war saukalt und da gab es nur eins: Du musst halt so schnell wie es geht da runter!“ Runter in die Abfahrtshocke mussten auch Martina Ertl-Renz und Peter Schlickenrieder, die die legendäre Fernseh-Skigymnastik „Telegym“ von Manfred Vorderwühlbecke gemeinsam mit Kaderkindern des Münchner Skiverbandes auf der Bühne nachturnten.

Dass die Athleten wie beispielsweise die mitfeiernden drei bayerischen Medaillengewinner von Sotchi, Amelie Kober (Snowboard, Bronze im Parallel-Slalom), Marinus Kraus und Andreas Wellinger (Skisprung, Gold im Teamwettbewerb) heute ein wenig anders trainieren, ist klar. Dass der Nachwuchs das von klein auf noch professioneller tun kann, dafür will der BSV in Zukunft die Strukturen schaffen. Damit die „Skifamilie BSV“ im Sinne von Miriam Vogt weiterhin erfolgreich wächst und für viele Athleten zur sportlich und emotionalen Heimat wird, wo sie auch künftig ihre Erfolge in großem Rahmen gemeinsam feiern können.
Text und Fotos: Petra Rapp


BSV Jubiläumsbuch: Mehr dazu hier

Freitag, 10. Oktober 2014

Doppelerfolg für Kombinierer Jakob Lange bei Deutscher Meisterschaft in Hinterzarten

J. Rydzek und Jakob Lange (re.), Foto S. Linden
Mit ganz starken Leistungen krönte Jakob Lange (Jg. 1995, WSV Kiefersfelden) seine diesjährige Sommersaison: Bei den Deutschen Meisterschaften der Nordischen Kombinierer Anfang Oktober in Hinterzarten gewann der junge Flintsbacher mit Bestzeit sowohl den Junioren-Titel als auch zusammen mit Johannes Rydzek den Titel im Teamsprint der Herren. 

Dass Jakob Lange sich in Topform befindet, hat er bereits beim FIS Sommer-Grand-Prix der Nordischen Kombinierer im August in Oberstdorf gezeigt, wo er unter den 60 weltbesten Kombinierern Gesamtzwölfter wurde. Auch bei der darauffolgenden, DSV-internen Acht-Schanzen-Tournee konnte er sich im vorderen Feld der nationalen Spitze platzieren und zeigte mit dem sechsten Gesamtrang und zweiten Platz im Laufbereich sein großes Potential. In Hinterzarten errang Jakob Lange mit einem Sprung auf 95 Metern und absoluter Laufbestzeit souverän seinen bereits fünften nationalen Juniorenmeister-Titel.

Jakob Lange (links), Foto Stefanie Linden
Am Folgetag wurde der junge Flintsbacher aufgrund seiner Laufstärke von Landestrainer Thomas Müller zusammen mit dem weltbesten Kombinierer dieses Sommers, Johannes Rydzek vom SC Oberstdorf, ins Team BSV 1 gesetzt. Bei besten äußeren Bedingungen entwickelte sich ein spannender Dreikampf zwischen Titelverteidiger Baden-Württemberg mit Olympia-Bronzegewinner Fabian Rießle und dem dreifachen Junioren-Weltmeister Manuel Faißt, den sächsischen Superstars Eric Frenzel/Björn Kircheisen sowie der jüngsten Paarung Jakob Lange/Johannes Rydzek aus Bayern.

Alle drei Paarungen erzielten auf der Rothausschanze ausgeglichene Weiten auf Top-Niveau. Jakob Lange konnte, hervorragend eingestellt durch Sprung-Bundestrainer Kai Bracht, in diesem Teamwettbewerb seinen besten Sprung dieser Meisterschaften abrufen. Er landete bei sehr guten Haltungsnoten bei der ausgezeichneten Weite von 99 Metern. Vor dem abschließenden Laufwettbewerb, bei dem im Wechsel von jedem Athleten fünf Runden auf dem Stadtkurs durch Hinterzarten zu laufen waren, lag Baden-Württemberg drei Sekunden vor Sachsen und sieben Sekunden vor dem Team BSV 1. Lange startete daher knapp hinter Kircheisen, 20facher Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Lange konnte in der ersten Runde zwei Sekunden auf Kircheisen aufholen. In den folgenden Runden lief das laufstarke Duo Lange/Rydzek auf die Führenden auf. Während Kircheisen ständig attackierte, versuchte Jakob Lange lediglich, Kontakt zu halten. Am Ende seiner fünften Runde setzte der 19jährige, der sich seine Kräfte klug eingeteilt hatte, am letzten Anstieg eine Gegenattacke, lief eine Lücke von 20 Metern heraus und übergab völlig entkräftet in Führung liegend an Johannes Rydzek. Der Oberstdorfer, Gesamtsieger des diesjährigen Sommerweltcups, lief diesen Vorsprung gewohnt souverän nach Hause und sicherte sich nach dem Titel im Einzel zusätzlich noch den Titel im Teamsprint der Herren.

Jakob Lange ist mit diesem Erfolg wohl endgültig der erfolgreiche Sprung in den Senioren-Bereich gelungen. Unmittelbar im Anschluss ging es für das DSV-Talent zu einem achttägigen Gletscher-Lauftrainingslager ins italienische Schnalstal, bevor am 17. Oktober für ihn mit allen DSV-Athleten die DSV-Wintereinkleidung ansteht. Petra Rapp

Dienstag, 30. September 2014

Mikaela Shiffrin: Zwischen Heimweh und Hochgefühl

Sie ist das neue Siegergesicht im Ski-Weltcup und gilt als beste Slalomfahrerin der Welt. Dabei ist Mikaela Shiffrin aus Vail/Colorado erst 19 Jahre alt. Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi und den Weltmeisterschaften 2013 in Schladming gewann sie Slalom-Gold. Ihre nächste große Herausforderung ist die FIS Alpine Ski-WM, die von 2. bis 15. Februar 2015 in ihrer Heimat ausgetragen wird. 

Wie war Ihr Sommer? Konnten Sie gut trainieren?

Ich habe viel Fußball und Tennis gespielt, das ist ein tolles Reaktionstraining. Für Ausdauer und Kondition war ich oft im Studio, beim Wandern oder Biken. Vail ist ja auch im Sommer ein großartiger Ort für Aktive. Ich bereite mich hier täglich fünf bis sechs Stunden mit einem umfassenden Programm auf die neue Saison vor. Für meine innere Balance jogge ich oft auf meinem Lieblingsweg – er führt unter Bäumen an einem Fluss entlang.

Beste Voraussetzungen also, um den Slalom-Titel bei den Weltmeisterschaften 2015 in Ihrer Heimat zu verteidigen? 

Das werde ich versuchen, klar. Aber hauptsächlich möchte ich meine Heimat mit guten Leistungen repräsentieren. 

Was bedeutet Heimat für Sie?

Zeit mit meiner Familie. Wir treffen uns immer, wenn ich in Vail bin.

Gibt es dort einen magischen Ort für Sie?

Das „Eagle´s Nest“, ein Restaurant auf dem Vail Mountain mit Blick auf die umliegenden Berggipfel. Ich denke dort immer, ich hätte die ganze Welt im Blick.

Auf welcher Piste trainieren Sie am Vail Mountain am liebsten?

Auf der „Black Forest Race Arena“. Das war der erste Hang, auf dem ich als Kind durch Stangen gefahren bin. Er hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen.

Hatten Sie eine schöne Jugend?

Meine Eltern haben verrückte Dinge mit mir unternommen, vom Windsurfen auf Hawaii bis zum Dirt Biking. Außerdem haben wir gemeinsam die halbe Welt bereist.

Konnten Sie Ihre Jugend überhaupt genießen – Sie waren bereits mit 16 Jahren im Weltcup?

So viel und oft ich wollte! Kino, essen gehen mit Freunden, alles war möglich. 

Und heute?

Ist das nicht anders. Allerdings verbringe ich auch gerne einen ruhigen Abend allein oder daheim mit meiner Familie. Mir ist es sehr wichtig, Zeit für mich zu haben. Mein Leben ist anstrengend und aufregend genug. 

Sie sind etwa 250 Tage im Jahr unterwegs, quält Sie oft Heimweh?

Bei den Olympischen Spielen in Sotschi war es extrem, das gebe ich zu. Ich habe meine Eltern zufällig im Fernsehen gesehen, als sie in den USA zu meinem Sieg interviewt wurden. Ich habe mich gefreut, ihre Aufregung und Begeisterung zu sehen, gleichzeitig ist mir aber auch bewusst geworden, wie weit sie gerade weg waren. So gerne hätte ich diesen Moment gemeinsam mit ihnen erlebt und gefeiert. 

Haben Sie etwas dagegen unternommen?

Ich habe ein Ritual: Wenn ich Heimweh habe, denke ich daran, wie schön es ist, ganz allein auf dem Berg zu stehen. Das ist für mich der friedlichste Ort der Welt. Dort oben spielen sich keine Dramen ab, es gibt nur mich und meine Ski, die mich hinunter ins Tal tragen. 

Müssen Spitzensportler Schauspieler sein?

Es ist wichtig, der Welt zu zeigen, dass man tough ist. Wir Sportler müssen die richtige Mischung finden, unsere Gefühle zu verbergen oder sie zu zeigen.

Gibt es zwischen Ski-Rennfahrerinnen Freundschaften oder Zickenkrieg?

Meine größten Konkurrentinnen sind meine besten Freundinnen. Auf unserem Level schätzen wir uns alle gegenseitig.

Was bedeutet „gewinnen“ für Sie?

Das ist für mich wie eine Sucht. Seit ich zum ersten Mal auf dem Siegerpodest gestanden bin, will ich dieses Hochgefühl immer wieder erleben. Doch es ist nur mit harter Arbeit zu schaffen, das ist die einzige Chance.

Interview: Yvonne Sieber und Gregor Staltmaier, mehr Infos zu Vail unter www.vailbeavercreek2015.com; mehr zu Mikaela Shiffrin unter http://alpine.usskiteam.com/athletes/mikaela-shiffrin