Donnerstag, 11. Februar 2016

Mit Leidenschaft - Veronika Staber, ehemalige Skirennläuferin und Rosenheims Sportlerin des Jahres, geht neue Wege

Veronika Staber
„Körperspannung! Das darf schon bissl wehtun. Haltet durch, das macht ihr klasse“, motiviert Veronika Staber ihre Gruppe, die im Feuerwehrhaus in Törwang - und das nicht nur wörtlich - ziemlich in den Seilen hängt. Einmal wöchentlich gibt Veronika Staber derzeit ihr Wissen als ausgebildete Slingtrainerin (Infos auf www.veronika-staber.com) weiter und macht die Teilnehmer mit diesem sehr effektiven, gelenkschonenden Ganzkörper-Workout fit. Wer Veronika Staber kennt, weiß, dass sie das richtig gut und ambitioniert macht. „Das ist zwar derzeit nur einer von mehreren Nebenjobs, mit denen ich meine neu begonnene, dreijährige Vollzeit-Ausbildung zur Physiotherapeutin finanziere, aber der macht mir richtig Spaß und den will ich vielleicht weiter ausbauen“, sagt die 28jährige Törwangerin. In Sachen Fitness und körperliche Schwachstellen kennt sie sich sehr gut aus – und mit den verschiedenen Dimensionen des Wehtuns auch. Denn verletzt hat sich Veronika Staber ziemlich oft in ihrer alpinen Skikarriere und musste einige richtig schwere Rückschläge einstecken, wo andere schon lange aufgegeben hätten. Sie hat sich aber immer wieder mit starkem Willen und hartem Training zurückgearbeitet, jedes Mal wieder neu motiviert und so am Ende dann doch viele Jahre im harten Skizirkus durchgehalten. 

Veronika Staber wurde dreimal Deutsche Meisterin (Riesenslalom 2006 und 2011, Slalom 2012), war einmal Zwölfte beim Riesenslalom-Weltcup am Arber und wurde 2011 zu Rosenheims Sportlerin des Jahres gewählt. „Mein sportlicher Höhepunkt war sicherlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen im Februar 2011. Dass ich das nach meinen schweren Knieverletzungen noch geschafft habe, darauf bin ich schon stolz. Aber auch die deutschen Meistertitel haben mir immer viel bedeutet“, sagt sie. 

Im Frühjahr 2014 beendete Veronika Staber ihre aktive Laufbahn, nach einer für sie einmal mehr schwierigen Saison, in der sie zurückgestuft in den Förderkader viel auf sich alleine gestellt war und das nötige Quentchen Glück für den großen Erfolg, den sie von ihren Fähigkeiten allemal drauf gehabt hätte, einmal mehr ausblieb. Hat sie, in Anbetracht des derzeit speziell im Slalom ziemlich schwächelnden DSV-Damenteams, ihren Rücktritt bereut? „Wenn ich sehe, dass einige Italienerinnen, die mit mir immer gleichauf waren, jetzt vorne in der Weltspitze fahren, komme ich schon kurz ins Grübeln, aber für mich persönlich war dieser Schritt zu diesem Zeitpunkt genau richtig. Klar ist mir bewusst, dass ich mein Potenzial nie ganz zeigen konnte, aber ich weiß, dass ich alles versucht und gegeben habe. Ich wollte beruflich nach meiner Zeit bei der Bundespolizei nochmal neue Wege gehen. Physiotherapie hat mich immer sehr interessiert, ich hab‘ da ja auch in meinen vielen Rehazeiten einiges erlebt. Es ist gut wie es jetzt ist und meinem oft operierten Knie geht es jetzt ohne die ständigen Belastungen auch viel besser.“ 

Was hat sie mitgenommen aus ihrer aktiven Zeit? „Das war eine enorme Lebensschule, aber ich bereue eigentlich nichts und möchte die Zeit nicht missen. Der Skisport war immer meine ganz große Leidenschaft und wird es auch bleiben.“ Im Moment bleibt ihr mit Ausbildung, Lernen und Nebenjobs allerdings nicht viel Zeit dafür. Ab und zu trainiert sie die Kinder des WSV Samerberg, ansonsten ist sie froh, wenn sie in ihrer sehr knappen Freizeit einfach zuhause sein kann. „Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch, genieße das sehr, nicht mehr ständig aus dem Koffer leben zu müssen und viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen zu können“, sagt die Samerbergerin und macht dabei einen ziemlich glücklichen Eindruck. Petra Rapp

Freitag, 5. Februar 2016

EM im Wallis ohne Rottmoser - Rosenheimer Skibergsteiger verlegt Saisoneinstieg

Sepp Rottmoser, Foto DAV/Begerovich
Nein, er wird auch nicht als Zuschauer am kommenden Wochenende ins Wallis in die Schweiz fahren, wenn dort in Les Marécottes die Europameisterschaft der Skibergsteiger stattfindet. „Das tue ich mir ganz bestimmt nicht an. Es würde mich ja doch ziemlich wurmen, wenn ich dann sehe, dass ich vielleicht doch hätte vorne mitmischen können“, sagt Sepp Rottmoser. Der Rosenheimer Skibergsteiger, der wie kein anderer bisher in Deutschland die anspruchsvolle Sportart geprägt hat und in den letzten neun Jahren im Weltcup, vor allem im Sprint, immer vorne dabei war, hat seit letztem Sommer neue Ziele. Nachdem er bereits im letzten Winter die Doppelbelastung Leistungssport und Technikerschule in Bozen meisterte, will er nun die große Chance nutzen, sich eine aussichtsreiche berufliche Zukunft im Garten- und Landschaftsbau aufzubauen. Deshalb muss er – auch aufgrund des schneearmen Winters – derzeit mächtig ran und hat nicht selten eine 50 Stunden-Woche. Stunden, die ihm zum Trainieren fehlen. „In den letzten Jahren hatte ich um die Zeit in etwa 130.000 Höhenmeter intus, heuer sind es lediglich so um die 60.000. Das ist mir zu wenig, um wirklich das Gefühl zu haben, richtig gut vorbereitet zu sein. Zumal auch mein Knie derzeit ein wenig zwickt“, so der 26-Jährige.

Rottmoser, Foto DAV, Seebacher
Er genießt es, jetzt nicht mehr jedes Wochenende irgendwo im Wettkampfmodus unterwegs zu sein und auch mal in Ruhe einfach mit seiner Freundin auf Skitour gehen zu können, motiviert ist er aber nach wie vor. Und ein wenig fehlt ihm der Rennzirkus schon auch, was seine leuchtenden Augen bestätigen, wenn er davon erzählt, wie ihm internationale Journalisten berichten, dass der Italiener Robert Antonioli, sein Sprint-Dauerrivale, ihn auf der Tour schon sehr vermisst. „Es kommen noch zwei Sprint-Weltcups in Transcavallo, Trentino, Mitte Februar sowie Mitte März in Prato Nevoso, Italien. Einen der beiden Weltcups will ich auf alle Fälle bestreiten“, sagt Sepp Rottmoser und drückt derweil seinen DAV-Teamkollegen Toni Palzer, Cornelius Unger, Stefan Knopf (alle DAV Berchtesgaden), Philipp Schädler (DAV Neu-Ulm) und Toni Lautenbacher (DAV Bad Tölz) für die EM die Daumen. Und vielleicht hat er ja seine berufliche Zukunft bis zum nächsten Winter soweit aufgebaut, dass er dann wieder mehr Zeit hat, seinen nach wie vor geliebten Sport auch wieder intensiver und rennsportlich zu betreiben. Dieses Jahr soll ja die Entscheidung fallen, ob Skibergsteigen in 2022 eine olympische Disziplin wird. Petra Rapp

           ISMF

Mittwoch, 3. Februar 2016

Saisonaus für Jakob Lange - Inngauer Kombinierer stürzt beim Springen am Triple-Finaltag in Seefeld schwer

Jakob Lange, Foto Nordicjumpworld
Mit drei Weltcupbewerben innerhalb von 48 Stunden sollte das Nordic Triple in Seefeld am vergangenen Wochenende das Saisonhighlight der Kombinierer werden, für Jakob Lange vom WSV Kiefersfelden endete es fatal. Bei einem spektakulären Sturz beim letzten Springen zog sich der junge Kombinierer eine schwere Knieverletzung zu und muss die Saison vorzeitig beenden. Dabei hatte für den Inngauer auf der Toni-Seelos-Schanze und im Seefelder WM-Stadion alles so gut angefangen. 

Zweitbeste Laufzeit für Lange
In Seefeld gingen die weltbesten 57 Athleten aus 14 Nationen an den Start. Jakob Lange hatte zuvor bei sechs Starts mit sechs Platzierungen in den Weltcuppunkten und dem 27. Platz im Gesamtweltcup erneut deutlich auf sich aufmerksam gemacht und sich mittlerweile im DSV-Weltcupteam sowie der erweiterten Weltspitze etabliert. Am ersten Wettkampftag waren ein Sprung von der K-99-m-Schanze sowie ein 5-Kilometer-Sprint zu bewältigen. Bereits im vorgezogenen, provisorischen Wettkampfsprung konnte sich Jakob Lange mit einem 95 Meter-Sprung sicher für das Hauptfeld qualifizieren. Im Wettkampf selbst legte der DSV-Youngster noch einen Meter drauf und platzierte sich im gesicherten Mittelfeld auf Rang 35. In der Loipe zündete Lange auf der immens schwierigen, aber sehr kompakten Rennstrecke regelrecht den Turbo und überlief zusammen mit US-Ikone Bryan Fletcher Läufer für Läufer. Bereits zur Hälfte hatte sich der so laufstarke Flintsbacher um zehn Plätze nach vorne gekämpft. Bis zur Zielgeraden lief Jakob Lange gemeinsam mit dem starken US-Läufer, finishte knapp vor Bryan Fletcher und erkämpfte sich dadurch den 19. Platz. Dabei gelang Jakob Lange mit der zweitbesten Laufzeit des gesamten Weltcupfeldes eine außergewöhnlich starke Leistung. 

Foto Nordicjumpworld
Tags darauf ging es erneut zu einem Sprung auf die Schanze, allerdings in Verbindung mit der doppelten Laufstrecke von zehn Kilometern. Jakob Lange konnte seine Sprungleistung vom Vortag mit 95 Metern bestätigen und platzierte sich dadurch zwischenzeitlichen auf dem 31. Rang. Auf den zehn Kilometern in der Loipe entwickelte sich ein sehr spannender Rennverlauf mit einigen Stürzen und vielen knappen Entscheidungen Mann gegen Mann. Jakob Lange lief aggressiv sein eigenes Rennen und bildete ab Kilometer 2,5 zusammen mit Teamkollege Björn Kircheisen ein Duo, das sich einen Läufer nach dem anderen schnappte. Bei Kilometer neun hatte sich dieses Duo zusammen mit dem Finnen Ilka Herola bereits von der Gruppe gelöst und war auf den Rängen 20 bis 22 platziert. Am letzten Anstieg wurde Jakob Lange von einem Läufer bei einem Überholvorgang behindert und kam zu Sturz. Diese Situation nützten das Duo Kircheisen/Herola, um eine kleine Lücke zu reißen. Jakob Lange versuchte alles, konnte die Lücke aber nicht mehr ganz schließen und kam, sichtlich verärgert, aber trotzdem auf dem guten 22. Platz ins Ziel. Mit dieser Leistung verbesserte sich der Kombinierer des WSV Kiefersfelden auf den 26. Platz im Gesamtweltcup.

Schwerer Sturz bei fragwürdigen Bedingungen
Die Wetterprognosen für den Finalwettbewerb über zwei Sprünge sowie einem 15 Kilometer-Lauf bestätigten sich leider: Die Witterung schlug komplett um und es begann nass zu schneien und die Sicht verschlechterte sich zusehends. Das Organisationskomitee der Seefelder Veranstalter bemühte sich mit allen Kräften, einen halbwegs fairen und ungefährlichen Wettbewerb durchzuführen. Nachdem allerdings bereits einer der Vorspringer durch den stumpfen Neuschnee im Aufsprunghang fast schon kopfüber gestürzt wäre, wurde der Wettbewerb mehrfach verschoben und man wartete vergeblich auf Wetterbesserung. Dies wäre aus Sicht vieler der Anwesenden spätestens der Zeitpunkt gewesen, um auf den provisorischen Wettkampfsprung zurückzugreifen.Unerwartet für viele der Zuschauer und auch Athleten wurde der Wettkampf mit mehrstündiger Verspätung dann doch gestartet.

Nachdem viele der Athleten wie beispielsweise die sprungstarken Harvard Klemetsen/NOR oder auch Bryan Fletcher/USA knapp an einem Sturz vorbei kamen, stiegen einige Athleten bereits auf Sicherheitslandungen um und akzeptierten dafür einen Punktabzug. Jakob Lange ging auf’s Ganze, setzte bei 91m einen sauberen Telemark, konnte den Sprung aufgrund des stumpfen Aufsprunghanges aber nicht mehr stehen und stürzte dabei schwer. Leider löste die Sicherheitsbindung nicht aus und der DSV-Youngster verletzte sich schwer am Knie. In der Folge kam dann auch noch Eric Frenzel, späterer Triple-Sieger und derzeit weltbester Kombinierer zu Sturz. Gottseidank kam es dabei aber zu keinen weiteren schweren Verletzungen.

Jakob Lange wurde bereits am gestrigen Dienstag in der Unfallklinik Murnau mit der Diagnose Innenband- und Meniskusriss erfolgreich operiert und beginnt voraussichtlich bereits nächste Woche mit dem Reha-Programm, um möglichst schnell wieder fit zu werden und zur DSV Weltcup-Mannschaft zurückkehren zu können. Petra Rapp

Sonntag, 31. Januar 2016

„Cooles Erlebnis“ - DSV Ski Crosser Paul Eckert (WSV Samerberg) erstmals bei den X-Games in Aspen dabei

Paul Eckert bei den X-Games in Aspen
Am vergangenen Wochenende ging für Paul Eckert (WSV Samerberg) ein sportlicher Traum in Erfüllung: Gemeinsam mit seinem DSV-Teamkollegen Daniel Bohnacker (SC Gerhausen) durfte der Samerberger bei den Winter X-Games, die Ende Januar in Aspen (Colorado) stattfanden, beim Skicross-Wettbewerb an den Start gehen. Insgesamt ein großartiges Erlebnis, mit dem sportlichen Ergebnis als Zehnter war Eckert allerdings nicht ganz zufrieden.

Bei den X-Games, die einmal im Jahr jeweils im Sommer und im Winter stattfinden, trifft sich die Crème de la Crème der Extremsportler. Dabei sein darf nur, wer in seiner Disziplin zur Weltspitze zählt, die jeweiligen Normen erfüllt und dazu eingeladen wird. Paul Eckert, Gesamtweltcup-Vierter der letztjährigen Skicross-Saison, wurde erstmals eingeladen und durfte als Rookie ebenso wie Daniel Bohnacker bei den diesjährigen Winter X-Games in Aspen an den Start gehen.

Foto Paul Eckert
Gemeinsam mit Bohnacker, Trainer Peter Stemmer und Techniker Mario Schönberg blieb der 25jährige Samerberger nach den Weltcuprennen im kanadischen Nakiska gleich in Übersee und bereitete sich dort auf den anspruchsvollen Wettbewerb vor. In den Qualifikationsrennen wurde er Fünfzehnter, wobei die Zeitabstände unter den Fahrern alle ziemlich gering waren, was spannende Heats versprach. Beim Rennen am vergangenen Samstag wurde Eckert am Ende dann Zehnter. „Das war heute leider nicht das Gelbe vom Ei. Meine ersten Starts waren nicht besonders, aber dann lief es eigentlich ganz gut. Ich kam ins Halbfinale. Dort war es ziemlich knapp und ich wurde am Ende leider nur Vierter. Im kleinen Finale ist mir bei der Landung am zweiten Sprung dann die Bindung gebrochen. Das kann schon mal alle zwei bis drei Jahre vorkommen, aber das war schon ziemlich unglücklich, dass das genau heute passieren musste. Platz 10 ist ok, aber nicht das, was wir uns erwartet haben“, meinte Paul Eckert, der in der Weltcupgesamtwertung im Moment auf Rang 16 liegt, kurz nach dem Rennen zu unserer Redaktion.


Fotos Paul Eckert

Bei den X-Games, wo im Gegensatz zu den Skicross-Weltcuprennen sechs statt vier Fahrer gleichzeitig starten, siegte im Finale überlegen der Kanadier Brady Leman und holte sich vor dem Franzosen Bastien Midol und dem Lokalmatador Chris Del Bosco aus Vail (Colorado) die Goldmedaille. Daniel Bohnacker, derzeit Fünfter im Gesamtweltcup, wurde Siebter. 

Foto Paul Eckert

Nächste Station für die DSV Skicrosser ist nun der Weltcup im schwedischen Idre Mitte Februar, bevor vom 19. Bis 21. Februar mit dem Heimweltcup in Ostin am Tegernsee ein weiterer Saisonhöhepunkt für die DSV Skicrosser wartet. Petra Rapp

Skicross-Weltcuptermine: FIS
Heimweltcup Tegernsee: Link