Donnerstag, 29. Januar 2015

Im Interview: Der Skischuhbauer der DSV-Stars

Jörg Ruedl, Foto Petra Rapp
Unsere Redaktion im Gespräch mit Jörg Ruedl, Produktentwickler bei der Firma Nordica. Er ist für die Rennschuhe der DSV-Stars Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Linus Strasser verantwortlich, von denen jeder bis zu 15 Paar pro Saison verschleißt.

Sie haben mit ihrem Team einen völlig neuen Rennschuh entwickelt, den Felix Neureuther und Fritz Dopfer derzeit testen. Warum? Die Jungs sind doch ganz erfolgreich mit ihren jetzigen?
Ruedl: Die Entwicklung im Rennsport geht rasant schnell. Pistenpräparierung, Skitechnik, Materialien und vor allem auch die Fitness und Fahrweise der Athleten verändern sich ständig. Jedes Detail am Skischuh spielt heute eine viel größere Rolle als früher. Unser altes Modell war technisch einfach ausgereizt.

Was brauchen Rennfahrer heute?
Ruedl: Skischuhe, in denen sie maximale Kraftübertragung haben, die die derzeitige FIS-Norm von nur noch 43 mm (Höhe vom Fersenhalt bis unten zur Lauffläche) erfüllen und in denen sie sich vor allem auch wohlfühlen. Früher sind die Fahrer offenere Winkel und mit viel mehr Kraft gefahren, heute fahren sie mit viel mehr Gefühl. Vor allem Felix ist ein absoluter Gefühlsskifahrer.

Was ist folglich anders am neuen Schuh?
Ruedl: Vor allem der Leisten. Ende der 90er war man der Meinung, ein Rennschuh muss total eng sein, am besten zwei Nummern zu klein und die Zehen übereinander liegen, um optimale Kraftübertragung zu haben. Heute weiß man, dass das nicht nur verdammt unbequem, sondern vor allem in Sachen Ermüdung und Leistungsabfall eher suboptimal ist. Das kann man mit modernen Leisten jetzt ganz anders lösen. Das haben wir getan und auch noch an anderen Details, mit neuen Materialien gearbeitet, die die Schuhe noch flexibler und für die Athleten individuell auch direkt auf der Piste noch anpassbarer machen.

Kommt das auch den Endverbrauchern zugute?
Ruedl: Sicher. So eine Neuentwicklung kostet rund 130 000 Euro pro Schuh pro Größe. Eine enorme Investition, weshalb man versucht, das Maximum aus dem Rennbereich in den Endverbraucherbereich mitzunehmen. Die neue Dobermann GP-Serie von Nordica, die es im nächsten Winter für sportliche Skifahrer geben wird, ist in etwa 90 Prozent identisch mit dem Rennschuhmodell von Felix und Fritz. Lediglich ein breiterer Leisten, ein bequemerer Einstieg und auch das Material unterscheiden sich. Ein bisschen komfortabler soll‘s ja schließlich schon sein für die Endverbraucher.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

(Petra Rapp)

Reine Formsache - Mehr Spaß im Schnee mit richtig passenden Skischuhen

Foto: DSV aktiv
Laut einer Umfrage des Zentrums für Gesundheit empfindet jeder Zweite seine Skischuhe als unbequem. Gehören Sie auch dazu? Dann ist jetzt eine gute Zeit, über eine Neuinvestition nachzudenken. Die Preise im Sportfachhandel für Winterprodukte purzeln und der Winter hat sicher noch einige schöne Skitage in petto. Und Leiden im Skischuh muss heutzutage wahrlich nicht mehr sein. Perfekte, individuelle Skischuhanpassung ist nämlich nicht mehr nur Rennläufern vorbehalten. Hier ein paar Tipps, auf was sie beim Thema Skischuhe achten sollten.

Die Kunst der Vermessung
Foto: Petra Rapp
Ein Skischuh muss Schutz vor Verletzungen, insbesondere Sprunggelenksverletzungen, bieten und gleichzeitig die Kraft aus dem Gelenk auf die Ski übertragen. Damit der Skischuh die Funktionen gewährleisten kann, muss er optimal passen. Jeder Fuß ist aber anders und bei jedem ist die Position der Knöchel anders. Der eigene Fuß sollte deshalb vom geübten Fachmann richtig vermessen und begutachtet werden. Entscheidend für die Passform und Kraftübertragung ist das Ristmaß, das vom Rist/Spann über den Knöchel zur Ferse berechnet wird. Viele Sportfachgeschäfte messen den Fuß heute mit Hilfe eines Fußscanners und stellen ihn virtuell in eine passende Schale. Bringen Sie zur Anprobe am besten Ihre Skisocken mit.

Vorsicht vor zu großen Schuhen 
„90 Prozent der Skifahrer neigen dazu, zu große Schuhe zu kaufen“, betont DSV-Sicherheitsexperte Andreas König. Das liege vor allem an der harten Schale. „Viele Skischuhe drücken – allerdings nicht weil sie zu klein, sondern weil sie zu groß sind. Dann schließen Skifahrer die Schnallen sehr eng zu. Dadurch wird der Skischuh allerdings nicht schmäler, sondern flacher. Der Skischuh drückt also von oben auf den Fuß auf. Mit ein Grund, warum Füße beim Skifahren oft einschlafen. Hier hilft eine individuell angepasste Einlegesohle: Sie unterstützt die natürliche Form des Fußes, ohne dass die Schnallen fest zugemacht werden müssen. Eine der Grundregeln beim Kauf: Muss ich die Schuhe auf der letzten Halterung schließen, um Halt zu bekommen, ist der Schuh zu groß! Auch die Schnallen nicht einfach nur zumachen, sondern in der richtigen Reihenfolge schließen: Die wichtigste Schnalle ist die Ristschnalle auf der Höhe des Knöchels. Mit dieser wird die Ferse fixiert. Sie sollte fest sitzen, damit der Fuß im Schuh nicht hin und her rutscht. Diese Schnalle muss als erstes geschlossen werden. 

Die Sache mit dem Flex
Neben der Größe und Form unterscheiden sich Skischuhe auch in der Härte der Schale. Dabei sprechen Sportfachverkäufer vom sogenannten „Flex“. Der Flex gibt Auskunft, wie leicht oder schwer die Schale zu biegen ist. Die Flex-Angaben auf den Skischuhen geben zwar eine grobe Orientierung, sie sind aber nicht genormt. „Ein Großteil der Käufer entscheidet sich für zu harte Skischuhe“, erklärt Andreas König. „Die Schuhe werden im Geschäft bei +20 Grad Celsius probiert. Im Winter ist es deutlich kälter, das führt dazu, dass der Kunststoff sich verhärtet.“ 

Individuelle Anpassung 
Foto: Sport Schuster
Einlegesohle, Innenschuh und Außenschale sollten eine perfekte Einheit bilden und vor allem bei Problemfüßen am besten individuell angepasst werden. Dank thermoverformbarer Sohlen, Innenschuhe und Außenschalen heute auch kein Problem mehr. Innenschuhe können bis zu fünf, sechs Mal angepasst werden. Gleiches gilt inzwischen für anpassbare Schalen vieler Skischuhhersteller. Gibt es trotzdem noch Druckstellen, kann der Spezialist im Handel manuell an der Schale oder am Innenschuh entsprechend Hand anlegen und die Druckstellen ausgleichen.

Skischuhe „altern“
Die Sohle erfüllt eine der wichtigsten Aufgaben des Skischuhs: Ihr Zustand ist entscheidend für die Funktion der Bindung. Wenn die Sohle unter dem Skischuh abgenutzt ist, kann eine optimale Kraftübertragung zwischen dem Skischuh und der Bindung nicht mehr stattfinden. Nicht zuletzt deshalb sollten Skifahrer das alte Modell spätestens nach rund acht Jahren durch ein neues ersetzen. Über die Jahre werden auch die Weichmacher im Kunststoff hart, der Skischuh wird spröde und kann im Extremfall brechen. 

Lagerung der Skischuhe 
Um eine Veränderung der Passform zu verhindern, sollten Skischuhe immer mit geschlossenen Schnallen, am besten in trockenen Räumen, gelagert werden. Besonders wichtig ist auch, dass die Stiefel trocken sind. In feuchten Skischuhen verbreiten sich schnell Pilze. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Innenschuh separat getrocknet werden. So kann sich kein Kondenswasser zwischen Schale und Innenschuh bilden.

Petra Rapp

Mittwoch, 28. Januar 2015

Eckert WM-Vierter am Kreischberg - Samerberger Skicrosser verpasst mit bestem Karriereresultat knapp eine Medaille

Er hat zwar jetzt bereits dreimal darüber geschlafen, aber noch kann er sich nicht wirklich über sein bisher bestes Karriereresultat als Skicrosser freuen. „Als Vierter bist Du einfach der Depp“, hat Paul Eckert am Sonntag im Ziel nach dem spannenden wie spektakulären Finale der Skicrosser, das zum Abschluss der FIS Freestyle Ski & Snowboardweltmeisterschaften am Kreischberg in der Steiermark stattgefunden hat, gesagt. So sieht er das schon immer noch. Blech statt Edelmetall. Zuschauen, während die anderen drei Finalisten, Olympiasieger Jean-Frederic Chapuis (Zweiter) aus Frankreich, der Qualifikationsschnellste Victor Öhling Norberg aus Schweden (Dritter) und der slowenischen Publikumsliebling Filip Flisar (Sieger) auf dem Podest groß gefeiert werden – klar, das wurmt. Auch, weil er im Finale der besten Vier, für das er sich als einziger DSV-Athlet überraschend qualifizieren konnte, seiner Ansicht nach einige Fehler gemacht hat. „Mein Start war nicht gut, aber das wusste ich eigentlich vorher, dass ich da gegen die drei anderen wenig Chancen haben werde. Mich wurmt mehr, dass ich die Wellenpassage in den Heats vorher immer gut gefahren bin und ausgerechnet im Finale hab‘ ich es hier vermasselt“, sagt Eckert. „Aber gut, ich hab in den Heats vorher schon auch viel Glück gehabt.“

Der 24jährige Samerberger, der in dieser Saison mit konstant guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat und sich mit den Plätzen 13 und 14 beim Weltcup in Val Thorens (Frankreich) für die WM qualifizieren konnte, startete am Sonntag am Kreischberg als Dreizehnter und drittbester DSV-Athlet in die Finalheats. Im hartumkämpften Achtelfinale hatte er im Fotofinish hinter dem Österreicher Andreas Matt gegen den Tschechen Tomas Kraus das bessere Ende für sich und kam als Zweiter weiter. Skitechnik, Kondition, Kraft, Standvermögen, Taktik – das alles muss passen, um bei der extrem anspruchsvollen und nicht ungefährlichen Sportart Skicross ganz vorne dabei zu sein. Das alles kann man trainieren. Das Quäntchen Glück, das oft auch dazu gehört, nicht. Im Viertelfinale gab es zudem mit seinem Teamkollegen Daniel Bohnacker (SC Gerhausen) dann einen harten Positionskampf um Rang zwei. Bohnacker stürzte in Folge dessen und schied aus. Eckert zog als Zweiter des Heats ins Halbfinale ein. Eckert zu dem Zweikampf: „Das mag zwar von außen ziemlich hart ausgesehen haben und es ist immer blöd, gegen einen Mannschaftskollegen zu fahren, aber das war ein ganz normaler Zweikampf im Skicross. Es gab auch keine Einwände der Jury und ‚Bohne‘ ist auch gleich im Ziel zu mir gekommen, hat mir gratuliert und viel Glück für die nächsten Runden gewünscht. Klar ist man enttäuscht, wenn man draußen ist, deshalb rechne ich ihm das auch hoch an.“ Auch im Halbfinale kam es zu einem harten Crash des Österreichers Thomas Zangerl mit dem Schweizer Armin Niederer. Beide mussten verletzt abtransportiert werden. Eckert, der hinter ihnen fuhr, konnte im letzten Moment ausweichen, an den beiden vorbeifahren und sich so abermals als Zweiter für das Finale qualifizieren. 


Am Ende wurde er Vierter im WM-Finale: Nach einem siebten Rang 2012 beim Weltcup in Bischofswiesen das beste Resultat seiner Karriere, von der er noch nicht weiß, wie lange sie noch dauern soll. „Jetzt warten im Februar erst einmal noch Weltcuprennen in Arosa (Schweiz), der Heimweltcup in Ostin am Tegernsee und im März noch ein Rennen in Frankreich, dann schaue ich weiter“, sagt Eckert, der im vergangenen Jahr seine Ausbildung bei der Bundespolizei in Bad Endorf erfolgreich beendet hat. Mit 24 gehört er noch zu der jüngeren Garde der weltbesten Skicrosser. Bleibt er gesund, ist der erste Podestplatz für ihn sicher nur eine Frage der Zeit. „Klar habe ich noch Ehrgeiz, aber irgendwann muss sich der ganze Aufwand auch finanziell wenigstens ein bisschen tragen. Ständig aus eigener Tasche draufzahlen, geht nicht auf Dauer.“ Auch deshalb wurmt ihn der vierte Platz immer noch. Petra Rapp


Alle Skicross-Ergebnisse der WM 2015 am Kreischberg: 

Montag, 26. Januar 2015

Jakob Lange überzeugt auch in Sapporo - Inngauer Kombinierer als Jüngster in Japan auf Rang 15

Jakob Lange, Foto Romina Eggert
Es ist ein hartes Programm, das der erst 18jährige Jakob Lange vom WSV Kiefersfelden derzeit absolviert. Gerade einmal ein Tag Pause war dem Abiturienten nach dem Triple-Weltcup in Seefeld vergönnt, bevor es ins knapp 9000 Kilometer entfernte Sapporo nach Japan ging. Dort warteten zwei Kombi-Wettbewerbe von der K 120-M-Schanze im Okuyarama-Sprungstadion mit jeweils einer 10-Kilometer-Renndistanz auf einer sehr kupierten Laufstrecke mit zwei sehr steilen Anstiegen.

Bereits im vorgezogenen Qualifikationssprung konnte sich Lange als Vierzehnter für den Weltcupwettbewerb qualifizieren. Am ersten Wettkampftag startete Jakob Lange auf der bekannt windanfälligen Schanze mit einem sehr guten Probesprung in den Wettkampf und erzielte dabei mit 127 Meter bei gleichmäßigem Aufwind die größte Weite des gesamten Teilnehmerfeldes. Zum Wettkampfdurchgang begann der stärker werdende Wind nach und nach aber auch noch in Schneefall überzugehen. Diese Bedingungen behagten dem Gesamtweltcupzweiten Fabian Riessle und leider auch Jakob Lange überhaupt nicht. Sie konnten ihre jeweiligen Sprungleistungen aus dem Probedurchgang nicht bestätigen. Auf Anraten der Bundestrainer setzten daher beide beim anschließenden Laufwettkampf aus und schonten sich für den zweiten Wettbewerb am Folgetag.

Foto: Romina Eggert
Eine Pause, die den beiden sichtlich gut tat. Im Wettkampfsprung konnte Jakob Lange seine derzeit blendende Sprungform erneut beweisen und mit 126 Metern bei perfektem Telemarkaufsprung den 14. Platz in der Sprungkonkurrenz belegen. Diese Weite war umso bemerkenswerter, da nach einem Traumsprung des Österreichers Fabian Steindl die Anlauflänge unmittelbar vor Jakob Lange um zwei Luken verkürzt wurde. Im anschließenden 10-Kilometer-Lauf war sein Ziel, erneut wie in der Vorwoche eine Top-15-Platzierung zu erreichen und sich dadurch im Gesamtweltcup unter den besten 30 zu etablieren. Der Flintsbacher lief zusammen mit dem Weltcupgewinner Lukas Klapfer und seinem DSV-Teamkollegen Fabian Riessle Runde für Runde ein hohes Tempo. Erst gegen Ende des Rennens musste Jakob Lange einige Sekunden abreißen lassen, konnte jedoch mit einem starken 15. Platz einmal mehr überzeugen. Lange rangiert nun auf dem 29. Platz in der Weltcup-Gesamtwertung, die überlegen von DSV-Athlet Eric Frenzel angeführt wird, der auch in Sapporo zweimal erfolgreich war. 

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Japan wartet auf Lange im Skigymnasium Berchtesgaden noch eine Klausur für das anstehende Abitur, bevor es mit dem DSV-Team Ende Januar zu den Juniorenweltmeisterschaften nach Almaty in Kasachstan weitergeht. Petra Rapp