Dienstag, 7. April 2015

Auf Tour: Ostertouren Vogelsang (1563m), Großer Traithen (1852m), Bayerische Voralpen

Frau Holle hat sich zum Ende der Saison noch einmal so richtig ausgetobt und die Berge in fettes Weiß versetzt. Wann hat man zu Ostern schon so viel frischen Pulver in den Voralpen gehabt? Da lohnte sich am Ostersonntag auch nachmittags noch eine kleine Ostereier-Verdauungstour hinauf zum Vogelsang (1563m) via Waldkopf und Mittleres Sudelfeld, wo sich zwischen dichten Wolken immer mal wieder ein Fenster mit Ausblick wie hier auf den gegenüberliegenden Wendelstein auftat. 

Die Skitour hinauf zum Großen Traithen (1852m, 900hm) am Ostermontag gestaltete sich dagegen als echtes Winterabenteuer. 

Tiefster Winter auch an der Rosengasse. Die Steilpassagen hinauf waren ziemlich kräftezehrend, weil die Spur sehr glatt war. Bis hinauf zum Steilner Joch war die Sicht noch relativ gut, ab und zu schimmerte der runde Planet durch die Wolken und ließ hoffen. Doch der Blick hinüber zum Gipfel versprach nichts Gutes: Dicht verhüllt das Gipfelkreuz und dahinter eine ziemlich schwarze Wand. Wir wagten uns auf den langen, schmalen Grat hinüber, der mit hohen Schneewächten eingeblasen war. Starker, eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. Ein leicht mulmiges Gefühl kam auf, als es immer mehr zu machte und wir außer uns bald nichts mehr sahen. Nur nicht die Spur verlieren... Endlich erreichten wir das Gipfelkreuz, wo sich ein paar Männer tummelten und sich auf die Nordwestabfahrt wagten. Uns war das zu heikel und wir stapften den langen Gipfelgrat wieder zurück, was bei den Entgegenkommenden etwas Verwunderung hervorrief. Die Abfahrt dann hinunter vom Steilner Joch durch den Latschenhang offerierte sogar ein paar schöne Schwünge, unten im Kessel mussten wir wieder auffellen und hinauf zur Einfahrt in den Stopselzieher gehen, der die einzige sichere Variante an diesem Tag hinunter war. Mit viel Schnee, aber leider teilweise im Blindflug. Petra Rapp (Text und Fotos)








Mittwoch, 1. April 2015

Rottmoser Zweiter im Sprint-Gesamtweltcup - Rosenheimer Skibergsteiger beim Finale in Prato Nevoso auf Rang Vier

Sepp Rottmoser, Foto DAV/Seebacher
Im italienischen Prato Nevoso in den Seealpen traf sich die Elite der Skibergsteiger Ende März zum diesjährigen Weltcupfinale. Es war ein einmal mehr erfolgreicher Auftritt des kleinen, aber extrem leistungsstarken DAV-Teams. Toni Palzer vom DAV Berchtesgaden holte dort den ersten Weltcupsieg seiner Karriere im Vertical-Rennen und belegt damit den zweiten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung. Ebenfalls den zweiten Platz in der Gesamtwertung, allerdings im Sprint, holte Sepp Rottmoser vom DAV Rosenheim. Ihm genügte dazu ein vierter Platz beim Rennen am Sonntag. Toni Lautenbacher vom DAV Tölz hat sich mit zwei neunten und einem 15. Platz in Prato Nevoso in den Disziplinen Vertical, Sprint und Individual nach einer für ihn ohnehin sensationellen Saison nun endgültig in der Weltspitze etabliert.

Foto DAV/Seebacher
Beim Sieg des jungen Ramsauers Toni Palzer (Jg. 1993) im Vertical-Rennen – in dieser Disziplin steigen die Athleten nur auf und fahren nicht ab - überraschte auch Sepp Rottmoser mit einer für ihn hervorragenden Platzierung. Mit dem 21. Platz (29:02 min) war der Sprint-Vizeweltmeister sehr zufrieden. Das letzte Sprint-Rennen der Saison verlief für die deutschen Skibergsteiger aber nicht ganz ohne Pannen. Sepp Rottmoser schaffte es in das Finale, wo ihn aber am Ende einer langen Saison seine Kräfte verließen. „Ich merke es jetzt, dass ich in diesem Winter fast nicht trainieren konnte. Die Substanz reicht dann am Ende einfach nicht mehr aus. Aber unter diesen Bedingungen kann ich mit dem vierten Platz schon zufrieden sein“, erklärte Rottmoser. 

Toni Palzer hatte in der Qualifikation technische Probleme mit der Bindung. Kurz vor der Tragepassage ließ sich die Bindung seines Skis nicht mehr öffnen, weshalb er das Rennen abbrechen musste. Für Toni Lautenbacher verlief bis zum Halbfinale alles nach Plan. „Ich habe mein Halbfinale souverän angeführt. Mit ungefähr fünf Sekunden bin ich in die schwierige Abfahrt rein, aber dann leider gestürzt. Mir ist nichts passiert. Geärgert habe ich mich so richtig“, kommentierte Lautenbacher seinen neunten Platz. Weltcup-Debütant Philipp Schädler (Jg. 1986) aus Kempten kam – nach technischen Schwierigkeiten beim Befestigen der Ski am Rucksack – im ersten Sprintrennen seiner jungen Karriere auf den 27. Platz. Das Sprintrennen dominierten die Italiener. Es gewann Michele Boscacci vor seinem Landsmann Robert Antonioli und dem Franzosen William Bon Mardion. In der Sprint-Weltcupgesamtwertung siegte der Italiener Robert Antonioli mit 261 Punkten vor Sepp Rottmoser (211) und dem Italiener Michele Bosacci (124). Alle Ergebnisse der Saison sind unter www. ismf-ski.org abrufbar. Petra Rapp

Dienstag, 31. März 2015

Doppelerfolg für Paula Flamm - Titel bei Deutscher Schüler Meisterschaft am Sudelfeld an Moritz Fetscher und Jonas Stockinger bei den Buben

Paula Flamm (Mitte), Foto SV Inngau
Alpinen Nachwuchssport vom Feinsten gab es vom 27. bis 30. März 2015 am Sudelfeld zu sehen. Dort mobilisierten die besten Talente im Deutschen Skiverband zum Ende der langen Wettkampfsaison noch einmal alle Reserven, um sich bei der Deutschen Schüler Meisterschaft im Kampf um die Titel zu behaupten. Die Meisterschaft wurde vom SV Inngau mit seinen fünf Vereinen TG TUS Raubling/ASV Großholzhausen und der ARGE BraNuFli (Brannenburg/Nußdorf/Flintsbach) ausgerichtet.

Der Super G musste zwar abgesagt werden, am Samstag und Sonntag beim Riesenslalom und Slalom herrschten aber beste Bedingungen. Die mit viel Salz präparierte Piste am Waldkopf bot für alle Starter bei gutem Wetter sehr gute und gleichwertige Verhältnisse. Am Montag beim Teamwettbewerb spielte der Wettergott aber leider nicht mehr mit. „Wir hatten viel Mühe, bei Dauerregen und aufgeweichter Piste das Rennen durchzuführen. Ich möchte mich bei allen Helfern für ihren enormen Einsatz bedanken, dass wir auch dieses Rennen noch gut zu Ende gebracht haben“, so Rennleiter Jürgen Liedtke vom TSV Brannenburg.

Flamm und Fetscher im Riesenslalom
Moritz Fletscher (Mitte)
Sehr gut zu Ende brachte Paula Flamm (Jg. 2000) diese Saison. Das Skitalent aus dem Inntal, das seit dieser Saison für die SG Hausham/SV Oberland startet, zeigte am Sudelfeld einmal mehr ihr vielversprechendes Können und holte sich zwei Titel. Beim Riesenslalom am Samstag am Waldkopf gewann sie vor Sophia Krabichler (SC Starnberg) und Julia Mehner (ASC Oberwiesenthal). Jana Kohl (SC Aising-Pang) kam als beste Inngauerin auf Rang 14, Melina Robl (SC Aising-Pang) auf Rang 33. Carina Stuffer (WSV Samerberg) schied im zweiten Durchgang aus.

Bei den Schülern holte sich Moritz Fetscher (SZ Ehingen) den Sieg vor Lukas Weingartner (SV Germering) und Jonas Bolz (WSV Bischofswiesen). Jakob Schramm (SC Aibling) verpasste das Podest um gut sieben Zehntel. Er wurde als bester Inngauer Fünfter. Christoph Brence (SV Bruckmühl) und Benedikt Marx (SC Aibling) belegten die Plätze 12 und 13. Johannes Hirnböck (WSV Oberaudorf) und Linus Witte (SC Aibling) schieden aus.

Stockinger überlegen im Slalom
Jonas Stockinger
Mit fast einer Sekunde Vorsprung sicherte sich Paula Flamm auch den Titel im Slalom am Sonntag. Zweite wurde Martina Willibald (SSC Jachenau), als Dritte stand Carolin Lippert (SC Gaissach) auf dem Podest. Carina Stuffer kam als Dreizehnte ins Ziel, Jana Kohl belegte Rang 19. Jonas Stockinger (SC Herzogsreut) freute sich bei den Buben über den Deutschen Schülermeister Titel. Er siegte mit zweimal Laufbestzeit überlegen. Vizemeister wurde der Allgäuer Fabian Himmelsbach. Wie auch am Vortag wurde Jonas Bolz Dritter. Jakob Schramm (SC Aibling) wurde Siebter, Johannes Hirnböck Zwölfter. Alle anderen Inngauer schieden aus.

Team-Sieg an Baden-Württemberg 1

Der Team Event wurde am Montag als Parallelslalom ausgetragen. Hier holte sich das Team 1 Baden Württemberg den Sieg vor den Mannschaften Chiemgau1 und Oberland 1. 

Alle Ergebnisse zur alpinen Deutschen Schüler Meisterschaft sind unter www.rennmeldung.de abrufbar. Petra Rapp

Samstag, 28. März 2015

Auf Tour: Großglockner (3798 m), Osttirol

Ja, das musste einfach mal sein: den Nachbarn auf's Dach steigen. Zugegeben, leicht war's nicht. Schließlich sollte es nicht irgendeins sein, sondern ihr höchstes: der Großglockner (3798 m) in Osttirol. Der zeigte sich aber anfangs ziemlich zickig. 

Mieses Wetter schon beim Aufstieg auf die schöne, bestens bewirtschaftete Stüdlhütte (2803 m). Dann am Freitag, wo wir um 6 Uhr morgens zum ersten Gipfelsturm ansetzen, pfeift uns selbiger mit bis zu 100 Stundenkilometern gewaltig um die Ohren, dazu minus 13 Grad und kaum Sicht. Abbruch nach einer Stunde Aufstieg. Einfach so wieder von dannen ziehen, obwohl die Wetterprognose für den Samstag zumindest Sonne und gute Sicht verspricht? Wir organisieren ein bisschen um und verlängern, zumal unser Bergführer Toni Riepler (www.bergfuehrer-kals.at) nochmal mit zwei neuen Gästen raufkommt und wir uns anschließen können. Toni (40) kommt aus Unterpeischlach, einem Ortsteil von Kals, der sich durch die höchste Bergführerdichte eines Ortes überhaupt auszeichnet (sprich zehn Häuser mit neun Bergführern) und lebt seinen Job mit einer Leidenschaft und Ruhe, die seinesgleichen sucht. Nur wenige waren so oft wie er am Großglockner. Beruhigend.



Der amerikanische Alpinist Steve House hängt auch in der Stüdlhütte rum, am Abend kommen auch noch Bergsteigerlegende Peter Habeler und einige Bergführerkoriphäen - der Berg zieht an. Und der Wind bläst nach kurzer Pause am Nachmittag wieder weiter. Es stürmt und tobt die ganze Nacht und am Samstagmorgen ein ähnlich trister Blick hinaus ins weiße Nichts. Na wunderbar! Wir brechen trotzdem auf, jetzt zu Viert samt Toni, der seine ganze Glocknererfahrung, die er sich in den unzähligen Besteigungen angeeignet hat, geschickt einsetzt. Mit einer eigenen Spur lässt er die vor uns gestarteten Gipfelstürmer im letzten Anstieg mit Ski stehen. Wir wechseln so als erstes Team in die Steigeisen und gehen den langen, zum Teil ausgesetzten Weg hinauf an. 





Den Nebel frühmorgens haben wir unten gelassen, die Sonne zeigt uns jetzt endlich das grandiose Panorama hier oben, aber der Wind macht uns weiterhin schwer zu schaffen. Oben auf dem Plateau am sogenannten "Bahnhof" weht es mich fast um. Jeder Schritt wird zum Kampf und die Luft immer dünner. Aber auch die Männer hinter mir kämpfen - ein kleiner Trost. Oben im letzten Drittel kriechen wir zum Teil auf allen Vieren durch den tiefen Schnee, dann wird es immer ausgesetzter und Toni nimmt uns ans Seil. Das ist er also, der berühmte Glockner-Grat - und ich hoffe nur, der Wind bläst mich nicht hinunter. Aber hier oben geht es besser, es ist ein bisschen windgeschützter. Das wunderschöne Gipfelkreuz ist in Sichtweite und die Euphorie steigt. Nach 3.45 Stunden Aufstieg sind wir oben, als erste an diesem Tag, an dem noch einige Seilschaften unseren Spuren folgen werden. Und wir sind verdammt happy! 







Beim Abstieg treffen wir am Grat Peter Habeler mit seiner Begleitung, die als zweite Seilschaft den Gipfel an diesem Tag ersteigen. Unglaublich, wie fit er mit 72 noch ist! Eine kurze Rast an der Erzherzog-Johann-Hütte (3454 m), noch einmal den famosen Ausblick genießen und jede Sekunde einsaugen, die letzten steilen Meter konzentriert am Seil abwärts zum Skidepot und hinunter auf den Brettern ins Tal - um ein grandioses Bergerlebnis reicher. Petra Rapp